Schon frühe Generationen der Menschheit bemalten Wände und diese Idee der Wandgestaltung reicht bis in die Steinzeit zur Höhlenmalerei zurück. Eine französische Künstlertruppe namens CitèCrèation, die seit 1978 Wandmalereien im öffentlichen Raum anfertigt, hat diese Idee neu interpretiert und den Begriff der modernen Fassadenkunstwerke geprägt. In Lyon, wo die ersten Fassadenkunstwerke entstanden, wurde auch die Idee dazu wiederbelebt. Die modernen Wandmalereien der CitèCrèation sollten zu Beginn vor allem in Vierteln mit überwiegend sozialem Wohnungsbau eine identitätsstiftende Rolle übernehmen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl bei den Bewohnern hervorrufen. Die Kunstwerke erzählen Begebenheiten des täglichen Lebens und zum Teil wirken die Bilder sehr dreidimensional und realistisch. Was als kleine Idee begann, wurde inzwischen mehrmals ausgezeichnet und überall auf der Welt finden sich Nachahmer dieser lebendigen Kunstform. Ein städtisches Museum im Freien entstand in Lyon durch die Fassaden Kunstwerte und es erhielt zahlreiche Preise. Jedes der 25 Fassadengemälde in Lyon bedeckt etwa 230 Quadratmeter mit Farbe und dabei haben sich die Künstler mit architektonischen Visionen beschäftigt, die der Architekt Tony Garnier ausgeführt hat. Er wurde auch von den Bewohnern der Siedlung gebeten, die langweiligen Fassaden zu verzieren.
Heute nutzen Firmen überall auf der Welt die Wandbilder um ihre Gebäudefassaden in den Fokus der Bevölkerung zu bringen und gleichzeitig fügen sich damit Industriegebäude mit fensterlosen Seiten problemlos in ihre Umgebung ein. Seit 2007 gibt es auch in Deutschland eine Tochtergesellschaft der CitèCrèation, deren Sitz in Potsdam liegt. Weltweit gibt es inzwischen mehrere Gruppen, die sich auf die Gestaltung von Wandbildern im öffentlichen Raum spezialisiert haben und in Zukunft kann man sicher in noch mehr Städten diese lebendige und absolut sehenswerte Form der „Alltagskunst“ bestaunen.
